Unsere grosse Reise

Die Aufzeichnungen sollen für uns eine Reiseerinnerung sein und gleichzeitig auch unseren Familie / Freunden Einblicke in das Erlebte geben.

Australien – ins Arnhem Land 28.07 – 10.08.2019

Nun verlassen wir die Ostküste und queren westwärts. Unser nächstes Ziel ist das Arnhem Land – noch nie davon gehört?
Es liegt im Norden Australiens und beherbergt den Rest einer blühenden Aborigines Kultur. Deshalb wollen wir hin – zum Garma Festival – dem grössten und bedeutendsten Indigenen Festival in Australien.
Was wir bisher von lebenden Aborigines gesehen haben war eher deprimierend, entwurzelte Menschen ohne kulturelle Heimat. Die Alte ist zerstört und in der Neuen finden sie sich nicht zurecht. Dies soll in Arnheim Land, wo die Aborigines die Mehrheit stellen anders sein.
Im Jahr 1623 segelte Kapitän William van Colster für die Dutch East India Company in den Golf von Carpentaria und Cape Arnhem ist benannt nach seinem Schiff, der Arnhem , die selbst wurde benannt nach der Stadt Arnhem in den Niederlanden – soweit zur Namensgebung.

Bis wir jedoch dort ankommen liegt noch ein weiter Weg vor uns – es sind über 3000 km – na dann los.

Unser Weg ins Arnhem Land.

Vom Airlie Beach folgenden wir der Küste entland bis wir die Stadt Townsville erreichen. Von hier verlassen wir die Küste und es geht nach Westen. Bald darauf erreichen wir Charters Tower – eine berühmte und historisch bedeutende Goldbergbaustadt. Charters Towers ist wohl die schönste Stadt im Landesinneren von Queensland. Wie andere Bergbaustädte in Westaustralien ist es eine Stadt, die aus den enormen Gewinnen des Goldbergbaues erbaut wurde, und als solche waren die Stadtväter (eine quikotische Bande neureicher Bergleute) entschlossen, ihren Reichtum zur Schau zu stellen. So präsentiert sich die Stadt auch heute noch und manchmal glaubt man die Zeit sei stehengeblieben.


Nach 484 km übernachten wir am Campaspe River.

Am nächsten Tag geht es weiter am Flinders Highway.

Wieder die unendliche Weite des Outbacks.

Zwischendurch gibt es eine kleine Abwechslung als wir zum Prairie Hotel kommen.

The Prairie Hotel
Nicht enden wollende Güterzüge.

Am Eastern Creek nach weiteren 444 km schlagen wir unser Lager auf.

In Cluncurry machen wir einen Abstecher ins Museum des Royal Flying Doctor Service. Der allererste Flug des Royal Flying Doctor Service von Australien fand am 15. Mai 1928 von Cloncurry aus mit einem Flugzeug des Typs de Havilland DH.50 der damaligen kleinen Fluggesellschaft Qantas statt.

Die Tage unterscheiden sich nicht wesentlich nur heute haben wir mit Dagi ein Problem. Beim Überholen eines Roadtrains bergauf beginnt der Motor zu überhitzen. Also sofort links ran und abkühlen lassen. Es sind noch ca. 80 km bis Mount Isa der grösseren Stadt auf unserem Weg. Nach einer Weile fahren wir vorsichtig weiter und halten auch mehrmals um den Motor runterzukühlen.
In Mount Isa versuchen wir einen Mechaniker zu finden. Die meisten sind ausgebucht, Toyota sagt uns in 3 Wochen …
Nach einigen Versuchen finden wir einen der sich den Motor ansehen will. Er kann aber nichts finden und so wechselt er auf Verdacht hin den Thermostaten – ob das die Lösung ist wissen wir nicht.

Mount Isa entstand aufgrund der riesigen Mineralvorkommen in der Gegend. Mount Isa Mines (MIM) ist eine der produktivsten Einzelminen der Weltgeschichte und basiert auf der kombinierten Produktion von Blei , Silber , Kupfer und Zink.
Was uns sofort an zuhause denken lässt – die Mount Isa Mines werden von Glencore (Baar, Switzerland) bestrieben.

Die Minenstadt Mt.Isa bei Tag …
… und bei Nacht.

Am nächsten Tag wollen wir noch die „School of the air“ besuchen. Jenes über Funk bzw. Internet betriebene Schulsystem, dass auch den Kindern in weit entfernten Stations (Farmen) und abgelegenen Dörfern ermöglicht an einem geregelten Unterricht teilzunehmen.

In den Anfängen wurden Kinder über das Funknetz unterrichtet. Seit einiger Zeit wurde auf ein Telefonkonferenzsystem umgestellt.
Vermehrt wird auch VOIP eingesetzt und auch Satellitengestütze Übertragungen sind möglich- Das Telefonkonferenzsystem ist aber immer noch das Zuverlässigste.

Der Arbeitsplatz des Lehrers, wo er mit 5 – 10 Schülern verbunden ist.
Die Schüler im Outback. Manche bis zu 1000 km entfernt.
Hier sind die Orte bzw. Stations visualisiert wo sich die Schüler befinden.

25. Juli 2019

Am Nachmittag verlassen wir Mt. Isa gegen Westen. Wir fahren sehr vorsichtig da unser Motorkühlsystem noch immer nicht zuverlässig arbeitet.

Die Umgebung wechselt für Stunden nicht.
Ab und zu ein Roadtrain.
Nach 200 km übernachten wir …
am Camooweal Billabong …
… um am nächsten Morgen die Grenze zum Northern Territory zu überschreiten.

Von hier aus geht es in der unendlich scheinenden Weite bis zum Threeways, wo der Barkly Highway in den Stuart Highway mündet der dann nach Norden verläuft. Da es nach 470 km schon spät ist, übernachten wir in Tenant Creek, wo wir auch noch Einkäufe machen können. Ab hier wird es schwierig damit. Es sind noch immer 1300 km bis nach Nhulunbuy!

Die Highwayfahrerei ist recht eintönig und nicht gerade abwechslungsreich. Es begegnen uns fast keine Autos – ab und zu ein Roadtrain – das war’s.

Nach weiteren 500 Tageskilometern, finden wir den Gorrie Airstrip zum übernachten.

Das Gorrie Airfield war während des Zweiten Weltkriegs einer der größten und am stärksten frequentierten Militärstützpunkte im pazifischen Raum. Der Flugplatz Gorrie bediente das 14 ARD (Aircraft Repair Depot) . Der Gorrie-Flugplatz befand sich etwa 32 km außerhalb der Reichweite japanischer Bomber auf der Westseite des Stuart Highway.
Der mittlerweile verlassene Flugplatz liegt 10 Kilometer nördlich von Larrimah und wurde am Endpunkt der alten North Australian Railway errichtet.
Während des Krieges war Gorrie die Heimat mehrerer Staffeln der Royal Australian Air Force und der United States Air Force. Auf dem Höhepunkt des Jahres 1943 waren dort 6.500 Militärangehörige stationiert, einschließlich des für die Wartung von Flugzeugen und Fahrzeugen zuständigen Personals.

Als Teil des Flugplatzes wurden ein großes Benzinlager und ein Bombenlager errichtet. Die Überreste der Landebahn und viele der Gebäude und Strukturen sind noch sichtbar.

Als Übernachtungsplatz ideal, weitgehend ruhig, flach und genügend Feuerholz.

Nun geht unsere Route ins Arnhem Land, denn wir wollen zum Garma-Festival nach Nhulunbuy.

Am nächsten Tag erreichen wir die Abzweigung zur Central Arnhem Road.
Central Arnhem Road – 675 km Piste


Für die Durchfahrt benötigen wir ein Permit der Aborigines. Es ist auch nicht erlaubt von der Strasse abzuzweigen oder zu campen. Die einzige erlaubte Campmöglichkeit befindet sich nach ca. 200 km an der Mainoru Station.

Nicht weit und wir machen Mittagsrast am Fluss bei Barunga einer Aborigines Community.
Hier ist die Piste noch ganz gut.

Wir übernachten am Manirou Store und starten früh am nächsten Tag.

Die Piste wird immer schlechter und wir kommen nur sehr langsam vorwärts.

Es blüht am Wegrand.

Gegen Nachmittag haben wir erst 260 km geschafft. Da entschliessen wir uns am Flat Rock Creek das Lager aufzuschlagen. In der Nähe sind auch noch eine Gruppe am Zelten.

Flat Rock Creek Rest Area

30. Juli 2018
Nun sollten die restlichen 200 km kein Problem mehr sein.

Bald darauf sehen wir diese Schild an der Abzweigung. „Visitors welcome“ – na also – wir machen den Abstecher nach Baniyala an die Küste, Permit hin oder her.
Wir begegnen wieder einer Schlange und wieder keiner lebenden.
Als wir das Dorf Baniyala erreichen ist das Flugfeld voll mit kleinen Maschinen – was ist hier los?
Baniyala aus der Luft … Image: courtesy Northern Land Council.
… und am Boden.

Als wir uns im Dorf umfragen sehen wir dass eine Festlichkeit im Gange ist. Ein freundlicher Australier der uns wahrnimmt erklärt uns, dass eine Feier zum 10 jährigen Jubiläum des Seerechtes der Aborigines abgehalten wird. Auch der Schweizer Botschafter sei hier. Nach einigem Suchen finden wir Pedro Zwahlen auch. Ein kurzes Händeschütteln – das war’s – zumal ich mich mit dem österreichischen Dialekt sowieso disqualifiziert hatte. Aber sind halt vielbeschäftigte Leute!
Nach dem wir herausgefunden hatten wo der Campground ist machen wir uns auf den Weg und erreichen einen wunderschönen Platz am Meer.

… und weil es so schön ist bleiben wir 2 Tage.
Sonenuntergang an der Blue Mud Bay

Um im Nord-Osten des Arnhem Lands zu fahren und zu campen benötigen wir ein zweites Permit der Dhimurru Aboriginals. Zum Glück lässt sich alles per Internet erledigen 60AU$ incl. Campgebühren an ausgewählten Plätzen.

Zuerst wollen wir einen Campplatz ausfindig machen. Wir entscheiden uns für den östlichen Strand und erreichen zuerst Garanhan. Dieser Platz war der Stützpunkt für die Händler aus Sulawesi (Makassans) die schon viele Jahrhunderte vor den ersten holländischen Schiffen regelmässig in diesen Teil Australiens segelten und Handel trieben.

Diese Felszeichnung in Groote Eyland zeigt eine Makassan Prau.

Yolngu Aufzeichnungen von Macassan-Händlern.
Wurrwurrwuy ist der Name der Yolngu in der Nähe von Garanhan, wo sich hinter dem Felsschelf eine einzigartige Ansammlung von Steinarrangements befindet. 

Die Umrisse geben einen Einblick in den Handel zwischen den Yolngu im Nordosten von Arnheim und den Indonesiern, der seit mehreren Jahrhunderten bestand, bis Südaustralien, das zu dieser Zeit das Nördliche Territorium verwaltete, aggressive Maßnahmen zur Erhebung von Zöllen einsetzte. Die Indonesier, die größtenteils aus Macassar in Sulawesi stammten, kamen jährlich, um Trepang (Dharripa, Beche-de-Mer oder Seegurke), Schildkrötenpanzer und Perlmuttschalen an chinesische Händler zu verkaufen. 

Sie segelten in ihrem Dreimast-Praus auf den nordwestlichen Monsunwinden und kehrten auf den südöstlichen Passatwinden zurück. 

Die Route der Schiffe der Makassans.

Die Macassaner respektierten die Yolngu als Eigentümer des Landes und der Meeresressourcen, und die Beziehungen zwischen Yolngu und Macassanern waren im Allgemeinen sachlich und oftmals herzlich. Matthew Flinders begegnete 1803 bei seiner Umrundung Australiens einer Flotte von Macassanern in der Nähe von Cape Wilburforce und sprach mit Kapitän Pobasso. Pobasso erzählte ihm, dass zwei oder drei Yolngu jedes Jahr mit der Flotte nach Macassar fuhren und dass einige dort geblieben waren.
Die Steinbilder wurden wahrscheinlich gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts von Yolngu-Ältesten gebaut, und in den sechziger Jahren erklärten die Clanführer Mungurrawuy Yunupingu und Mawalan Marika gegenüber Campbell Macknight, dass die Vorkehrungen von älteren Familienmitgliedern getroffen worden seien, damit zukünftige Generationen von Yolngu die Geschichte der Macassan Besuche kennen. Mungurrawuys Vater war tatsächlich in Macassar gewesen.
Unser Camp finden wir ein paar km weiter wo es auch weniger Wind hat.

Camp am little Bondi Beach.
Abendstimmung am little Bondi Beach
Spaziergang am Strand
Wir haben den Strand für uns alleine.
Wir treffen die Familie Heusler. Simon & Daniela mit
Jael, Lena, Loris

Simon arbeitet für die MAF-Schweiz und sie leben bereits 2 Jahre in Nhulunbuy mit den 3 Kindern. Wir verbringen einen so netten Abend mit ihnen und bekommen eine vorzügliche Lasagne zum Abendessen. Vielen Dank für diese überraschende Einladung. Es tut auch gut sich wieder mal im gewohnten Dialekt zu unterhalten.

Das Aborigines Dorf Yirrkala.
In Yirrkala ist eine sehr grosse Ausstellung von Aborigines Kunst.
Die Aborigines sind stolz auf die erstrittenen Landrechte.
Wandmalerei in Yirrkala

Wir versuchen beim Garma Festival hineinzukommen und fahren zum Eingang des Geländes. Die Antwort auf unsere Bitte: Booked out – no tickets. Dabei hätte ein Ticket für das Garma-Festival 2’500 AU$/Pers. gekostet. Das ist absolut übertrieben.

Zu unserem Glück bringen wir in Erfahrung dass der letzte Tag des Garma Festivals ein „open Day“ ist und die Bewohner von Nhulunbuy freien Zutritt haben. Das benützen wir um doch noch etwas zu sehen.

Garma Festival

Garma ist Australiens indigenes Pendant zum World Economic Forum, das jährlich in Davos in der Schweiz stattfindet. Garma zieht eine exklusive Versammlung von 2.500 Politikern und Geschäftsleuten aus der ganzen Welt an. Die Yothu Yindi Foundation engagiert sich für die Verbesserung der Benachteiligung indigener Bevölkerungsgruppen, indem sie Führungskräfte aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und anderen gesellschaftlichen Bereichen in die Gestaltung globaler, regionaler und industrieller Agenden einbezieht.
Garma ist die Plattform für das australische Davos, während Sie auf anderen Konferenzen der Aborigines mehr über die Rechte und die Kultur der Ureinwohner erfahren. Bei Garma lernen Sie die Herausforderungen und Schritte kennen, die unternommen werden müssen, um sicherzustellen, dass die Aborigines wirtschaftliche Chancen haben. Gleichzeitig versucht Garma, unser kulturelles Genie durch die Bewahrung und Pflege einer Kultur zu stärken, die es gibt über 50.000 Jahre alt. 

Wir haben wirklich Glück und können den ganzen Tag an den Veranstaltungen teilnehmen. So sehen wir vieles der Aborigines Kultur das uns sonst verborgen geblieben wäre.

FACES OF GARMA

Nach diesem so erlebnisreichen Tag beschliessen wir in einem schönen Bushcamp in der Nähe noch ein paar Tage zu verbringen.
Wir nützen die Zeit um die Viscosekupplung unseres Lüfters am Kühler zu revidieren, da die Motorkühlung noch immer nicht einwandfrei funktioniert.
Von der Toyotawerkstatt in Nhulunbuy besorgen wir uns neues Viscoseöl.

Bushmechanik – Öffnen der Viscokupplung am Lüfter

In der Nähe des Camps hat ein kleiner Bach eine Badewanne gebildet und so können wir nach getaner Arbeit Das Badevergnügen ohne Krokodile geniessen.

Danach entschliessen wir uns nocheinmal nach Yirrkala zu fahren um ein Erinnerungsstück der Aborigines zu erstehen.

Arnhem land ist Troopy Land, da passt unserer gut dazu.
Zum Sonnenuntergang fahren wir auf das Cap, wo es besonders schön ist.
Ganz in der Nähe ist das Rainbow Cliffs Camp.

09. August 2019
Nach den schönen Erlebnissen im Arnhem Land maschen wir uns auf die Rückfahrt über die Central Arnhem Road.

Abschluss Lagerfeuer am Gorrie Airstrip.

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